Die WELT-Online: Anleger hoffen auf ein Sommermärchen an der Börse
Ein Artikel von Thomas Koch
Analysten erwarten steigende Aktienkurse, weil die Anleger nach dem ersten WM-Fieber an die Börse zurückkehren. Im WM-Fieber haben viele Anleger die Börse in den vergangenen Tagen stark vernachlässigt. Wenn die Pausen zwischen den WM-Tagen jetzt größer werden, dürften die Aktienmärkte wieder stärker in den Fokus rücken. Und damit könnte sich auch in diesem Jahr wieder ein Phänomen wiederholen, das in der Vergangenheit schon oft zu beobachten war. Während die ersten drei Wochen einer Fußball-WM an den Börsen relativ ruhig verliefen, kam es nach Beobachtung des Börsenbriefes „Wellenreiter Invest“ statistisch betrachtet um den Viertelfinaltermin herum meist zu einer Kaufgelegenheit.
Wenn Anleger an die Märkte zurückkehren, könnte es mit den Kursen also wieder nach oben gehen. Und auch wenn die Deutschen sich im Erfolgsfall weiterhin eher dem Fußball widmen sollten, haben zumindest die Engländer ja wieder mehr Zeit für Aktiengeschäfte.
Was ebenfalls für die baldige Wiederaufnahme des Aufwärtstrends an den Börsen spricht, ist der viel beachtete Faktor der Saisonalität. Im Monat Juli konnten die Aktienmärkte in der Vergangenheit im Durchschnitt nämlich ein positive Performance erzielen.
Besonders ausgeprägt waren die Kursgewinne dabei meist in der ersten Woche des Monats. Wie „Wellenreiter Invest“ zudem festgestellt hat, zeigt sich gerade in sogenannten Zwischenwahljahr (das sind Jahre, die wie 2010 zwei Jahre vor einer amerikanischen Präsidentschaftswahl liegen) nach einem Amtswechsel die Tendenz eines Tiefs um den anstehenden Monatswechsel herum. Hinzu kommt, dass sich die Amerikaner in der ersten Juli-Woche durch den Unabhängigkeitstag (4. Juli) in Feierlaune befinden, was den Stimmungsumschwung noch zusätzlich forcieren könnte.
Aber auch für Anleger, denen solche Beobachtungen zu theoretisch sind, lass sich momentan zahlreiche Argumente für steigende Notierungen finden. Auf Seiten der Analysten mehren sich die Stimmen, dass mittlerweile vieles einseitig negativ gesehen wird. Bei Goldman Sachs etwa ist man der Ansicht, dass die Korrektur der globalen Aktiemärkte seit April größtenteils einen „Anstieg in den subjektiv wahrgenommenen Risiken“ reflektiere, während die realen Makrodaten und Unternehmensgewinne weiterhin stak waren.
Statt positiven Firmennachrichten konzentrieren sich alle nur auf mögliche neu Opfer der Schuldenkrise. Auch M.M.Warburg schätz das grundsätzliche Umfeld für Aktien als „positiv“ ein. J.P. Morgen bezeichnet die Aktienbewertung im historischen Vergleich als „seht überzeugend“, gegenüber Anleihen sogar als „attraktiv“. Und die Strategen der Credit Suisse raten dazu, übermäßige Liquidität bei Schwächephasen beschleunigt anzulegen.
Trotz (oder gerade wegen) der schwachen Performance der vergangenen Tage (in den USA auch Wochen) sind die Chancen für einen neuen Aufschwung an den Aktienmärkte also durchaus vorhanden. Zumindest eine kleine Sommerrallye scheint möglich. Für solche kurzfristigen Spekulationen eigenen sich vor allem Hebelprodukte wie Knock-out-Scheine.
Kleine Pluszeichen können für hohe Gewinne sorgen
Weil die Kursbewegungen an den Börsen bei diesen Produkten mit einem Hebeleffekt versehen werden, reichen oft schon vergleichsweise kleine Pluszeichen, um hohe Gewinne zu erzielen. Allerdings beinhaltet diese Konstruktion auch immer ein enormes Risiko, weil der Hebel natürlich auch in die andere Richtung wirkt. Somit drohen bei fallenden Kursen schnell massive Verluste. Bei einem Rutsch auf oder unter die bei diesen Papieren eingebaute Knoch-out-Marke verfallen die scheine zudem vorzeitig.
Um dieses Risiko zu minieren und die Höhe potenzieller Verluste zu begrenzen, empfiehlt es sich, mit individuellen Stopp-Kursen zu arbeiten. Bei der Produktauswahl kann zudem auf Scheine gesetzt werden, bei denen der Abstand zu der Knock-out-Marke relativ groß ist.
Eine Wave Call XXL der Deutschen Bank zum Beispiel wird erst bei einem Dax-Stand von unter 5200 Punkten ausgeknockt. Bis dahin hat der deutsche Leitindex noch gut 14 Prozent Luft. Die Kursbewegungen des Dax werden hier mit einem gut sechsfachen Hebel abgebildet. Steigt der Index um fünf Prozent, klettert der Schein um mehr als 30 Prozent. Bei einem fünfprozentigen Kursrückgang kommt es entsprechend zu gut 30 Prozent Verlust (WKN: DB3PL4).
Fazit: Sei es das „typische“ WM-Muster, der Saisonalität die negative Grundstimmung der Anleger oder die vermeintliche attraktive Bewertung. Die Basis für eine Sommerrallye ist gelegt. Jetzt muss sie nur noch kommen. Wer den Mut hat, in die fallenden Kurse hinein Hebelprodukte zu kaufen, wird im Erfolgsfall mit überproportionale Gewinnen belohnt. Fällt die Party ins Wasser, wird der Geldbeutel aber relativ stak belastet.
